Olympiabewerbung für Kiel? Darum bin ich dafür

Kiel ist die Segelhauptstadt. Segeln gehört unweigerlich zu dieser Stadt und ist überall präsent und ist neben dem Handball die Sportart. Jedes Jahr findet bei uns DAS Segelgroßereignis statt – die Kieler Woche! Der Segelsport wird hier gelebt und die Sportler lieben das Kieler Segelrevier. Da liegt es natürlich nahe, dass sich Kiel für die Ausrichtung der Segelwettbewerbe der Olympischen Spiele 2024/2028 bewirbt.

Die Piraten in Berlin und Hamburg stehen sehr kritisch den Olympischen Sommerspielen 2024 gegenüber und sprechen sich deutlich gegen eine Bewerbung der Großstädte aus. Aus Kieler und Schleswig-Holsteinischer Sicht muss ich jedoch sagen: Was für Hamburg und Berlin schlecht ist, muss nicht auch für Kiel schlecht sein.

Kaum eine Stadt zeigt so deutlich wie Kiel, dass sich die Olympischen Spielen auch lohnen können. Vor 43 Jahren, in 1972 hatte Kiel Sportler aus aller Welt zu Gast. Und das damals errichtete Olympische Dorf wird als Wohnraum genutzt und die Sportstätten beherbergen während der Kieler Woche heute noch jährlich viele internationale und nationale Segler. Die Stadt Kiel profitierte davon und erhielt damals eine Autobahnanbindung, der ZOB mit seinem Parkhaus, der bis vor kurzem noch in Betrieb war, wurden 1972 errichtet. Die Kieler erhielten damals die Kanalhochbrücke, die heute zu einer wichtigen Verkehrsachse angewachsen ist. Im Großen und Ganzen hat Olympia ’72 die Stadt wirtschaftlich voran gebracht.

Die Olympischen Sommerspiele 2024 in Kiel?

Die Olympischen Sommerspiele 2024 in Kiel?

Der Präsident des Bundes der Steuerzahler in Schleswig-Holstein und ehemaliger Landesrechnungshofs Präsident Aloys Altmann wird in den Kieler Nachrichten wie folgt zitiert: Er habe sich die Planung aufmerksam angesehen und komme zu dem Schluss: „Das ist kein Wolkenkuckucksheim. Das ist nicht großkotzig. Das ist nachhaltiger als in anderen Städten.“ Ich gebe ihm da vollkommen Recht. Es lohnt sich ein Blick auf die Situation in Kiel.

Vieles muss ohnehin saniert werden
Es steht fest: Der Segelstandort Kiel muss modernisiert werden. Unabhängig von Olympia muss in Kiel Schilksee einiges gemacht werden, die Anlagen sind schließlich aus dem Jahr 1972. Um die Segeltradition und die Kieler Woche in vollem Umfang beibehalten zu wollen, muss hier mehr als „ein Eimer Farbe gekauft“ werden. Dies ist für Kiel identitätsstiftend.

Ähnlich sieht es mit dem Areal auf dem MFG 5-Gelände aus – stadtplanerisch ist dort ein großes Gelände in einer Toplage frei geworden. Die Diskussionen, wie dies künftig genutzt werden soll, sind im vollen Gange. Dieses Gelände eignet sich hervorragend für das Olympische Dorf. Dabei wird Wohnraum geschaffen, der die Wohnungssituation in der Kieler Innenstadt maßgeblich entschärft. Vor dieser Aufgabe steht die Stadt Kiel – mit oder ohne Olympia! Der einzige Wermutstropfen? Ich hoffe allerdings, dass wir dort schon vor 2024 ausreichend eine Menge Wohnraum schaffen werden.

Beide Projekte wären gelungene Investitionen, die nachhaltig und gut für Kiel sind und deren Post-Olympia-Nutzung für Jahrzehnte gesichert.

Es ist klar, dass mit der Ausrichtung der Olympischen Spiele auch Investitionen gemacht werden, die nicht primär eine nachhaltige Nutzung für Kiel darstellen. Es müsste beispielsweise ein Mediencenter für die Berichtserstattung gebaut werden. Dies würde selbstverständlich ohne die Olympia-Austragung niemals gebaut werden. Auch ist es damit zu rechnen, dass einiges an Auflagen in Bezug auf die Sicherheitsinfrastruktur kommen wird. So würden ohne Olympia zum Beispiel keine Einzäunung des MFG5-Geländes vorgenommen werden.

Olympia ist auch gut für Norddeutschland
Wie häufig diskutieren und jammern wir, dass in Norddeutschland so manches Infrastrukturprojekt stiefmütterlich behandelt wird? Die Ausrichtung der Olympischen Spiele in Kiel würde bedeuten, dass der Bund und das Land an vielen Stellen seine Hausaufgaben besser erledigen müssen.
Wie sieht es mit dem Ausbau der B404 zu A21 aus? Auch wird die Frage gestellt werden, ob man die A20 etwas schneller voran bringen kann, wobei eine Elbquerung bis 2024 weiterhin nicht realistisch ist. Was ist mit dem Neubau der Rader Hochbrücke? Wenn Olympia in den Norden kommt, sind all diese Themen aktueller denn je. Der Bund kann dann nicht mehr an Schleswig-Holstein vorbeischauen.

Natürlich wird so manches „totes Pferd“ im Rahmen von Olympia auch wieder aus der Mottenkiste“ hervorgeholt werden. Die Diskussion um die Stadt-Regional-Bahn in Kiel wird sicherlich wieder losgehen, obwohl sich die umliegenden Kreise bereits gegen diese ausgesprochen haben. Dumme Ideen, wie eine Verlängerung der Landebahn des Kieler Flughafens, werden dann hoffentlich nicht wiederbelebt – Ulf Kämpfer hat da zum Glück schon eine Absage erteilt.

Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt
Auch bei einer Olympiabewerbung von Kiel ist nicht alles toll. Es ist zu hinterfragen, ob das Internationale Olympische Komitee (IOC) ein optimaler Partner ist – die Korruptionsvorwürfe lasten natürlich schwer. Selbstverständlich bringt die Ausrichtung der Spiele viele Auflagen mit. Die Umsetzung eines so bedeutenden Projektes wird einiges an Ressourcen binden, die man auch an anderer Stelle gebrauchen kann.

Natürlich kostet eine Bewerbung an sich schon Geld. Die Stadt Kiel beziffert die Kosten auf knapp 800.000€. Das ist natürlich eine „Menge Holz“. Ein Großteil dieser Summe ist jedoch der geplante Bürgerentscheid (250.000€). Für mich, als PIRAT, ist es selbstverständlich, dass es ohne ein positives Votum der Bürger kein Olympia in Kiel geben wird!
Es wird auch viel Geld in das Marketing fließen – so eine Bewerbung will und muss beworben werden. Dennoch halte ich das nicht für rausgeworfenes Geld, selbst wenn Kiel nicht Olympiastandort wird. Die Bewerbung stellt eine gute Werbung für Kiel als Segelhauptstadt dar. Hier ist auch die lokale Wirtschaft, die sich Olympia so sehr wünscht, in der Pflicht. Nicht alle Kosten müssen aus der Staatskasse bezahlt werden.

Was bleibt unterm Strich?
Die Olympischen Sommerspiele 2024 in Deutschland und keine Segelwettbewerbe in Kiel? Aus meiner Sicht unvorstellbar. In Kiel muss – ob mit oder ohne Olympia – investiert werden. Die Flächen sind vorhanden, eine nachhaltige Nutzung ist gewährleistet. Die Investitionen würden nicht nur für Olympia getätigt werden. Eine Bewerbung für Kiel ist zu befürworten, denn viele Projekte müssen gemacht werden! Warum holt man sich dann nicht auch noch das Land, den Bund und das IOC als Geldgeber ins Boot?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.